Freitag, 6. April 2012

Exhibitionistischer Versuch zur Selbsthilfe im 9-Finger-System

Liebe Leser, Leserinnen und Leserchen. 

Nun tu ichs also, ich blogge. Was bleibt mir auch anderes übrig. Ich werde ja in 30 Tagen 30. Eigentlich sind es nur noch 27 Tage, aber den kreativen Freiraum nehme ich mir heraus.

Ich, das ist selbstredend eine fiktive Figur. Meine Gedankenwelt und ich haben nichts mit der Person zu tun, die an den 9 Fingern dranhängt mit denen ich tippe. Die wird zufällig auch 30, an dieser Stelle endet die Liste der zufälligen Gemeinsamkeiten zwischen uns beiden aber auch schon wieder. 

Das mit den 9 Fingern hat mich beim Erstellen dieses Blogs auch ein bisschen gewundert. Es fällt mir zum ersten mal auf, dass mein rechter Daumen beim Tippen auf dem Notebook nie zum Einsatz kommt. Ich bin wohl auch im Geiste zu sehr Linkshänderin um eine vollständige Beidhändigkeit akzeptieren zu wollen. Linkshänder sollen angeblich intelligenter und kreativer sein als Rechtshänder. Ich finde, das stimmt. Laut einer amerikanischen Studie verdienen Linkshänder auch 10-15% mehr als Rechtshänder. Davon habe ich bisher noch nichts bemerkt, auch bei der Bemessung meines derzeitigen Anspruchs auf Arbeitslosengeld wurde das Faktum bisher nicht berücksichtigt. Frechheit. Beim nächsten Termin mit meiner Betreuerin werde ich das ansprechen.

Und da sind wir auch schon beim Thema. Der nächste Termin am AMS. Er findet an meinem 30. Geburtstag statt. Ein Termin wie ein Schlag ins Gesicht, Sinnbild für die plötzlich plastisch gewordene Lebenskrise, die ich mit 28 noch als ein Hirngespinst all der gescheiterten Existenzen abgetan habe, zu denen ich nie gehören würde. Hereinspaziert, herzlich willkommen zu ihrem Erniedrigungstermin, sie haben 15 Minuten ihr Scheitern vorzutragen, freie Wortwahl und Form, aber bitte pünktlich. 

(Die Betreuer am AMS sind, unter uns gesagt, seltsam und weltfremd. So sehr ich auch argumentiere und die Fakten auf den Tisch lege, sie wollen nicht einsehen dass ich eine große Sprachkünstlerin bin. Anstelle von Förderungsgeldern für eine Schriftstellerkarriere bieten sie mir manchmal Stellen als Regalbetreuerin in Baumärkten an. Wahrscheinlich sind sie eifersüchtig.)

Warum schreibe ich also diesen Blog? 
Ich gehöre einer Generation an, die kein gemeinsames Zeil hat. Wir haben nicht mal einen catchy Titel wie "Generation X" oder "Nachkriegsgeneration". Wir haben keinen Krieg überstanden, wir haben keine Revolution angestiftet, wir hatten nicht mal mehr die Möglichkeit gegen irgendetwas zu rebellieren, weil ja sowieso schon alles erlaubt war. 
Eine Generation der beruflich erfolgreichen Allroundtalente, eine Generation in der Querdenker und Spezialisten nicht gefördert werden, sondern überrannt, eine Generation der exhibitionistischen Facebook-Poster, die gar nicht mehr zu sagen haben als "Guten Morgen" und "Gute Nacht", eine Generation der Ziellosen und Getriebenen. 
Und ich.

Ich bin fast 30. Ich bin Single. Ich bin arbeitslos. Ich bin gescheitert, sagen die anderen. Und ich bin toll.

Wir sind 30. Wir sind Single. Wir sind arbeitslos. Wir sind gescheitert, sagen die älteren. Und wir sind toll. 


Auf 30 gute Blog-Tage. Und dann machen wir gemeinsam ein Fass auf!

2 Kommentare:

  1. 30, Single und Arbeitslos? Das wird vorbeigehen. Um zu scheitern, müsstest du ein wenig u aufweisen können. Du hast mich jetzt dazu motiviert, auch einen Text übers AMS zu veröffentlichen: http://headio.net/recherche-sieg-und-arbeit/

    Zum Älterwerden hätte ich auch was im Angebot:
    http://headio.net/aelter-werden/

    Shamelessselfpromotion Ende.

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  2. ich bin zwar noch nicht 30, aber bis dahin werde ich wohl mein aussichtsloses studium beendet haben. und wenns so weiter geht wie bisher, werde ich auch noch single sein. lese diesen blog also mit großem interesse :)

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